Der Elbrus mit seinen 5.642 m Höhe ist der höchste Berg Russlands und gilt als höchster Gipfel Europas. Damit zählt er als einer der „Seven Summits“ zu den beliebtesten Zielen für Bergsteiger.

Der stark vergletscherte erloschene Vulkan lässt sich mit Ski besteigen und gilt als technisch unschwierig. Die größten Herausforderungen liegen in der Höhe und den dadurch bedingten oft sehr tiefen Temperaturen, die eine Besteigung erschweren oder sogar unmöglich machen.

Gemeinsam mit einer Gruppe St. Leonharder Alpinisten gelang es mir, am 9. Mai 2019 den Westgipfel auf 5.642 m zu erreichen. Wir starteten um 2.30 Uhr bei den Botschki-Hütten auf 3.700 m und erreichten gegen 10.00 Uhr den Gipfel. Natürlich aus eigener Kraft und ohne Pistenraupen-Shuttle.

Was man für eine erfolgreiche Elbrus Skitour beachten sollte, zeige ich in diesem Beitrag.

1. Richtige Vorbereitung

Das A und O einer erfolgreichen Skihochtour auf den Elbrus ist die richtige Vorbereitung daheim. Wer regelmäßigen Ausdauersport für überflüssig hält und seine Skitourenaktivitäten auf kurze Pistentouren und Forstwege beschränkt, wird am Elbrus an seine Grenzen stoßen. Von den Botschki-Hütten sind es knapp 2.000 Höhenmeter bist zum Gipfel – und das bei einer Starthöhe von 3.700 m! Es ist unbedingt notwendig, rechtzeitig, also drei bis vier Monate vorher, mit dem gezielten Training zu beginnen. Dazu gehören sowohl regelmäßige Ausdauereinheiten im Grundlagenbereich, die man auch gut mit dem Arbeitsalltag vereinbaren kann, als auch einige lange Skitouren. Und mit lang meine ich ich 2.000 Höhenmeter am Stück. Dafür werden Voralpengipfel nicht ausreichen. Aber genau darum geht es. Lange Touren mit einer entsprechende Gipfelhöhe über 3.000 m. Hat man seine Hausaufgaben gemacht und neben den „normalen“ Skitouren auch zwei bis drei lange Skihochtouren absolviert, ist schon mal ein großer Schritt in Richtung erfolgreiche Elbrus-Besteigung gemacht.

Gute Vorbereitung ist das A und O

2. Gute Planung

Eine gute Planung der Reise ist unbedingt notwendig. Das beginnt mit der Auswahl des richtigen Tourenabieters, der Beantragung des Visums, geht weiter mit der Organisation der Ausrüstung und spielt vor allem vor Ort eine große Rolle. Renommierte Reiseveranstalter wie der DAV Summit Club verfügen über große Erfahrung in der Organisation von Reisen mit Expeditionscharakter und haben außerdem ein Netzwerk mit verlässlichen Partnern vor Ort in Russland. Ohne eine lokale Agentur, die die Abwicklung dort übernimmt, ist man im Grunde chancenlos. Je besser und verlässlicher die lokalen Partner sind, desto größer die Chance auf den Gipfel.

3. Erfahrener Guide

Ein Guide, der sich vor Ort auskennt und schon ein- oder mehrmals auf dem Gipfel war, ist ein unschätzbarer Vorteil. Und dabei geht es nicht nur um die alpinistische Erfahrung, sondern auch um die Gepflogenheiten im Land, das Wissen um Besonderheiten und den richtigen Umgang mit der einheimischen Bevölkerung.

Ein guter Bergführer ist der Schlüssel zum Erfolg

4. Passende Ausrüstung

Soviel wie nötig und so wenig wie möglich lautet die Devise. Zumindest bei der Gipfelbesteigung sollte man auf überflüssige Ausrüstung verzichten – auf dieser Höhe zählt jedes Gramm. Natürlich wäre es fahrlässig, die elementaren Dinge nicht mitzunehmen. Da es am Elbrus bekanntlich sehr kalt werden kann, ist warme Kleidung wie Daunenjacke, Daunenhandschuhe, Gesichtsschutz, etc. unabdingbar. Ein breiter Freeridetourenski hingegen macht wenig Sinn. Der Aufstieg erfolg bis rund 5.000 m Höhe auf der Pistenraupenspur und ist danach meist so abgeblasen, dass er ebenfalls an eine Skipiste erinnert.

5. Richtig Akklimatisieren

Der wichtigste Aspekt ist wahrscheinlich die richtige Akklimatisation am Elbrus. Vielen ist die verhältnismäßig große Höhe schon zum Verhängnis geworden. Die Höhenkrankheit kann natürlich jeden treffen, egal wie gut der Trainingszustand ist. Beachtet man einige wichtige Verhaltensweisen, kann man sich aber sehr gut an die Höhe anpassen. Es liegt vor allem am erfahrenen Guide (siehe Punkt 3) die richtige Akklimatisierungs-Strategie umzusetzen. In der Regel dauert die Vorbereitung mindestens drei Tage, bevor man den Gipfel in Angriff nimmt. Dazu fährt man einmal mit der Seilbahn hoch auf 3.000 m und geht bis zu den Pastuchov-Felsen auf knapp über 4.000 m. Dann fährt man wieder hinunter ins Tal, natürlich mit Ski durchs Skigebiet und verbringt eine weitere Nacht im Basislager. Danach bezieht man normalerweise sein Quartier in den Botschkis, den bekannten Stahlcontainerhütten rund um die Bergstation des Skigebiets, und nutzt ein bis zwei Tage für weitere Akklimatisierungs-Touren zu den Felsen. Ach ja, was noch wichtig ist: Sehr viel trinken! Darf auch mal ein Bier sein 😉 Und nächtigt man in den Botschkis knapp unterhalb der Bergstation, ist auch das Berggasthaus nicht weit.

Pastuchov Felsen
Akklimatisationstour zu den Pastuchov Felsen
Elbrus Russland Gasthaus
Im Berggasthaus am Elbrus

6. Geeignete Ernährung

Die geeignete Ernährung betrifft sowohl das Essen im Tal, als auch die Verpflegung am Berg in den Botschkis. Im Kaukasus wird gerne Schaf gegessen, vor allem in Form von Schaschlik-Spießen. Nur leider sind diese Schafe nicht mit zart schmeckenden Tiroler Berglämmern zu vergleichen. Eher hat man das Gefühl man beißt eine zähe Schuhsohle durch, die zur Krönung auch noch stark nach Bock schmeckt. Wer’s mag, gerne. Ich würde vom Genuss eher abraten. Ansonsten ist Russland natürlich kein Dritte-Welt-Land. Das Essen ist deftig, aber gut. Leitungswasser sollte man eher nicht trinken. Noch viel wichtiger ist allerdings die Versorgung in den Botschkis. Wer – so wie wir- auf die Künste einer äußerst engagierten lokalen Köchin vertrauen kann, hat einen Riesenvorteil. Hier kommt wieder die gute lokale Agentur ins Spiel, die auch für die Rekrutierung der Köche und der Besorgung der Lebensmittel zuständig ist. Tipp: Gute Köche verdienen gutes Trinkgeld 😉

Im Küchen-Container

7. Ausreichende Hygiene

Vor allem in den Botschkis sind die hygienischen Umstände grenzwertig. Es gibt dort oben kein fließendes Wasser und keine Sanitäreinrichtungen. Nur Plumpsklos. Richtig grausige Plumpsklos. Die Körperpflege beschränkt sich also auf den Einsatz von Feuchttüchern, was aber zwei, drei Tage ganz gut funktioniert. Unbedingt zu empfehlen ist die Verwendung eines Desinfektionsmittels für die Hände. Da man in den Botschkis sehr eng aufeinander hockt, breiten sich Viren entsprechend schnell aus. Und Durchfall dort oben mag wirklich keiner haben. Echt nicht.

8. Mentale Einstellung

Fast 2.000 Höhenmeter zum Gipfel, Kälte, Wind – eine Skitour auf den Elbrus ist beileibe kein Strandspaziergang. Auf das sollte man sich einstellen. Auch wenn man noch so gut vorbereitet ist, wird es Phasen geben, wo man beißen muss. Vor allem die nicht enden wollende Querung nach der steckengebliebenen Pistenraupe auf rund 5.000 m bis zur Mulde unterhalb des Gipelanstiegs, wo man normalerweise das Skidepot einrichtet, ist mühsam. Hier heißt es durchzuhalten.

Das steckengeblieben Pistengerät auf ca. 5.000 m – ab hier heißt es durchbeißen!

9. By Fair Means

Am Elbrus herrscht Hochbetrieb. Durch das Skigebiet, das bis 3.700 m reicht, ist der Zugang in diese Gletscherregion stark vereinfacht. Viele Tagestouristen lassen sich mit Skidoos auf 5.000 m chauffieren, um Erinnerungsfotos zu schießen. Aber auch fast alle Gipfelaspiranten, von denen die Mehrheit übrigens zu Fuß unterwegs ist, nutzen frühmorgens das Pistengerät, um sich eben bis 5.000 m bringen zu lassen. Wer als Bergsteiger etwas auf sich hält, der legt die gesamte Strecke mit eigener Muskelkraft zurück!

Früh aufbrechen heißt es, wenn man die gesamte Strecke mit Ski zurücklegt.
Morgensonne beim Aufstieg
Endloses Panorama am Elbrus-Gipfel

10. Unterkunft

Wir hatten das Glück, in den modernisierten Botschkis zu wohnen. Die versprühen von außen zwar weiterhin Sowjet-Charme. Innen ist der Standard jedoch ganz ok. Es gibt Strom, einen Elektroheizofen, helle Holzverkleidung und dünne Matratzen, auf denen man halbwegs komfortabel nächtigt.

Botschkis Elbrus
Die Botschkis von Innen
Botschkis Elbrus
Eingang zu den Botschkis

BILDERGALERIE

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